- Erinnern Sie 2–4 Wochen vor Wirkungsende: bei Muskelentspannung nach 10–12 Wochen, bei Fillern nach 5–12 Monaten.
- Nennen Sie die Behandlung, nicht das Präparat – verschreibungspflichtige Mittel dürfen nicht beworben werden (HWG).
- Ein Member-Modell lohnt sich ab ~30 Patienten mit regelmäßigem Rhythmus – planbare Umsätze statt Einzelrecall.
- Warum Recall bei Faltenbehandlung so gut funktioniert
- Recall-Intervalle je Verfahren
- Mach den Selbsttest: Ist Ihr Recall rechtssicher?
- Erinnerungen rechtskonform formulieren
- Der Ablauf: Vom Behandlungsstuhl zur Erinnerung
- Wann ein Member-Modell die bessere Lösung ist
- Recall und Member-Modell kombinieren
- Was passiert, wenn Sie nichts ändern
- Fazit
Die Faltenbehandlung hat den klarsten Wiederholungsbedarf in der ästhetischen Medizin. Die Wirkung lässt nach, der Patient merkt es – und bucht entweder bei Ihnen oder woanders. Ein strukturierter Recall entscheidet, wo er landet.
Dieser Beitrag zeigt Ihnen die Intervalle je Verfahren, wie Sie rechtssicher erinnern und wann ein Member-Modell die bessere Lösung ist.
Warum Recall bei Faltenbehandlung so gut funktioniert
Weil der Zeitpunkt vorhersehbar ist. Anders als bei spontanen Wünschen wissen Sie ziemlich genau, wann der Patient wieder Bedarf hat. Diese Planbarkeit macht Recall zum günstigsten Umsatzhebel.
Ein Beispiel: 150 Patienten erhalten eine muskelentspannende Behandlung zu 350 Euro. Bei drei bis vier Behandlungen pro Jahr wären das rund 500 Behandlungen und 175.000 Euro – wenn alle das Intervall einhalten. Ohne System kommen viele nur ein- bis zweimal.
Hebt Recall die Zahl von 1,8 auf 2,5 Behandlungen pro Patient, sind das 105 zusätzliche Behandlungen und 36.750 Euro – ohne einen einzigen Neupatienten. Die Rechnung ist ein Beispiel, zeigt aber die Größenordnung.
Recall-Intervalle je Verfahren
Das Intervall richtet sich nach Wirkdauer, Areal und individueller Reaktion. Die Werte sind Orientierungen – passen Sie sie an Ihre Erfahrung an. Erinnern Sie immer vor dem spürbaren Nachlassen, nicht danach.
| Verfahren | Typische Wirkdauer | Erinnerung nach | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Muskelentspannende Behandlung (Stirn, Zornesfalte, Krähenfüße) | 3–4 Monate | 10–12 Wochen | Kürzestes Intervall, höchste Wiederkehr |
| Hyaluron-Filler Lippen | 6–9 Monate | 5–7 Monate | Individuell stark unterschiedlich |
| Hyaluron-Filler Wangen, Kinn, Jawline | 9–18 Monate | 8–12 Monate | Längeres Intervall, höherer Ticketwert |
| Skinbooster, Mesotherapie | 3–6 Monate, meist als Serie | 6–8 Wochen innerhalb der Serie | Serien-Abschluss sicherstellen |
| Kollagenstimulatoren | 12–24 Monate | 10–12 Monate | Jahres-Check als Anlass |
Hinterlegen Sie das Intervall pro Behandlung, nicht pro Patient. Wer direkt den Folgetermin vereinbart, braucht die Erinnerung nur noch als Bestätigung. Mehr zu Intervallen im Beitrag Botox und Hyaluron: So kommen Patienten pünktlich zur Auffrischung.
Mach den Selbsttest: Ist Ihr Recall rechtssicher?
- Nennen Sie in Erinnerungen die Behandlung, nicht das Präparat oder die Marke?
- Verzichten Sie auf Heilversprechen und garantierte Ergebnisse?
- Liegt für jede Erinnerung (SMS, E-Mail, Push) eine Einwilligung vor?
- Bieten Sie Mehrwert statt Prozentrabatt auf ärztliche Leistungen?
- Hat Ihr Anwalt oder die Ärztekammer Ihre Formulierungen geprüft?
Wenn Sie mehr als zwei Fragen mit Nein beantwortet haben, besteht Handlungsbedarf.
Erinnerungen rechtskonform formulieren
Viele Praxen übersehen: Die eingesetzten Präparate sind meist verschreibungspflichtig. Nach § 10 Heilmittelwerbegesetz (HWG) darf für verschreibungspflichtige Arzneimittel gegenüber Laien nicht geworben werden. Erinnerungen sollten deshalb die Behandlung beschreiben, nicht das Präparat oder die Marke nennen.
Dazu kommen die allgemeinen Grenzen: keine Heilversprechen, keine Aussagen über garantierte Ergebnisse, keine irreführenden Vorher-Nachher-Darstellungen (§ 11 HWG), sachliche Sprache nach § 27 MBO-Ä. Rabatte auf ärztliche Leistungen sind wegen GOÄ und § 7 HWG problematisch.
Drei Formulierungsprinzipien haben sich bewährt:
- Zeitpunkt statt Druck: Der Hinweis, dass der empfohlene Zeitpunkt näher rückt, ist sachlich und ausreichend.
- Behandlung statt Präparat: Sprechen Sie von Faltenbehandlung oder Auffrischung, nicht von Markennamen.
- Mehrwert statt Nachlass: Setzen Sie Anreize als Zusatzleistung, Priorität bei Terminen oder Pflegeprodukt – nicht als Prozentrabatt.
Jede Erinnerung setzt eine Einwilligung voraus, egal ob per SMS, E-Mail oder Push. Lassen Sie Ihr Konzept von Anwalt oder Ärztekammer prüfen; dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung. Was das HWG für Praxen bedeutet, erklärt der Beitrag Heilmittelwerbegesetz: Was Praxen bewerben dürfen.
Der Ablauf: Vom Behandlungsstuhl zur Erinnerung
Ein Recall-System besteht aus vier Schritten, die im Alltag ohne Zusatzaufwand laufen:
- Nach der Behandlung wird der Folgetermin vorgeschlagen, idealerweise direkt vereinbart. Die Rezeption spricht ihn aktiv an.
- Das Intervall der Behandlung ist im System hinterlegt und startet automatisch die Erinnerung.
- Die Erinnerung geht mit Einwilligung als Push oder SMS raus und enthält einen direkten Weg zur Buchung – nicht nur eine Telefonnummer.
- Wer nicht reagiert, bekommt nach zwei bis drei Wochen eine zweite Erinnerung. Danach endet der Zyklus bis zur nächsten Behandlung.
Der häufigste Fehler ist Schritt drei: Eine Erinnerung ohne Buchungsmöglichkeit verlangt vom Patienten einen Anruf zur Praxiszeit. Ein direkter Termin-Link in der App macht aus der Absicht in Sekunden eine Buchung.
Wann ein Member-Modell die bessere Lösung ist
Recall holt Patienten einzeln zurück. Ein Member-Modell dreht die Logik um: Der Patient entscheidet einmal, regelmäßig zu kommen, und zahlt monatlich dafür. Das passt besonders zur muskelentspannenden Faltenbehandlung – kurzes Intervall, geplante Wiederkehr.
Ein Beispiel für die Preislogik: Ein Patient nutzt drei Behandlungen im Jahr zu je 350 Euro, also 1.050 Euro. Eine Mitgliedschaft für 80 Euro im Monat (960 Euro im Jahr) enthält diese drei Behandlungen, dazu einen jährlichen Hautcheck, Priorität bei Terminen und ein Pflegeprodukt. Der Patient spart nichts Wesentliches, gewinnt aber Planbarkeit und Mehrwert. Die Praxis gewinnt sicheren Jahresumsatz und drei statt durchschnittlich zwei Besuche.
Wichtig ist die rechtliche Gestaltung: Die enthaltenen ärztlichen Leistungen müssen nach GOÄ abgerechnet werden, eine Honorarvereinbarung nach § 2 GOÄ ist gegebenenfalls erforderlich, und Laufzeit sowie Kündigung gehören sauber in die Vertragsbedingungen. Details im Beitrag Mitgliedschaft in der Praxis: AGB, Laufzeit, Kündigung. Auch hier gilt: vor dem Start von Anwalt oder Ärztekammer prüfen lassen.
Recall und Member-Modell kombinieren
Beide Ansätze schließen sich nicht aus. Bewährt hat sich eine Staffelung: Neue Patienten laufen über den Recall, bis sie zwei- oder dreimal wiedergekommen sind. Danach wird ihnen die Mitgliedschaft angeboten – sie kennen ihren Rhythmus, der Mehrwert ist greifbar.
Mitglieder erhalten weiterhin Erinnerungen, aber als Service, nicht als Rückholung.
Eine eigene Praxis-App bündelt beides: Intervalle je Behandlung, Erinnerungen mit Einwilligung, Terminbuchung direkt nach der Nachricht, Mitgliedschaften mit monatlicher Abbuchung über den Zahlungsdienstleister auf das Praxiskonto. Das Team muss nichts Neues lernen – die Einrichtung erfolgt einmal, der Ablauf läuft danach automatisch.
Was passiert, wenn Sie nichts ändern
Ohne Recall entscheidet der Zufall, ob Patienten wiederkommen. Sie verlassen sich darauf, dass der Patient selbst daran denkt, zur Praxiszeit anruft und einen Termin findet. In der Zwischenzeit sieht er Anzeigen anderer Praxen, bekommt Empfehlungen von Freunden oder probiert eine neue Adresse aus.
Jeder Monat ohne Erinnerung ist ein Monat, in dem Sie Patienten an den Wettbewerb verlieren – obwohl die Behandlung bei Ihnen gut war und der Patient zufrieden ist. Das ist kein Qualitätsproblem, sondern ein Organisationsproblem.
Fazit
Bei der Faltenbehandlung ist Recall keine Marketingmaßnahme, sondern eine Frage der Organisation: Intervall hinterlegen, sachlich erinnern, Buchung direkt ermöglichen. Wer Präparatennamen aus der Kommunikation heraushält, auf Heilversprechen verzichtet und Anreize als Mehrwert gestaltet, bewegt sich im Rahmen von HWG und Berufsordnung.
Ein Member-Modell ergänzt den Recall für Patienten, die ohnehin regelmäßig kommen.
lumelle richtet Recall, Mitgliedschaften und Terminbuchung in Ihrer eigenen Praxis-App ein – mit Ihrem Branding, ohne technischen Aufwand für Ihr Team. In einem 15-minütigen Gespräch sehen Sie, wie das für Ihre Praxis aussieht.