- Influencer-Marketing ist erlaubt, aber Sie haften für jeden Beitrag wie für eigene Werbung – HWG und Berufsordnung gelten auch hier.
- Jede Gegenleistung (Geld, kostenlose Behandlung, Rabatt) muss als Werbung gekennzeichnet sein – am Anfang des Beitrags, nicht am Ende.
- Schriftlicher Vertrag mit Freigabepflicht, Verbotsliste und Kennzeichnungsregel schützt beide Seiten vor teuren Fehlern.
- Warum Influencer in der Ästhetik so nahe liegen
- Die Rechtslage in fünf Punkten
- Der Vertrag: Was hineingehört
- Auswahl: Reichweite ist nicht das Kriterium
- Briefing und Ablauf
- Mach den Selbsttest: Ist Ihre Kooperation sicher?
- Die bessere Alternative: Ihre echten Patienten
- Was passiert, wenn Sie nichts ändern
- Fazit
Influencer-Marketing in der Ästhetik ist erlaubt. Es kann Reichweite bringen. Aber es ist kein rechtsfreier Raum. Die Kennzeichnungspflicht gilt immer. Das Heilmittelwerbegesetz (HWG) gilt auch für Werbung durch Dritte. Und Sie haften für das, was in Ihrem Auftrag veröffentlicht wird. Dieser Beitrag zeigt, wie eine Kooperation aussehen kann, die Nutzen bringt und einer Prüfung standhält.
Warum Influencer in der Ästhetik so nahe liegen
Ästhetische Behandlungen sind visuell. Sie sind persönlich. Sie brauchen Erklärung. Genau das leisten Influencer: Sie zeigen, erzählen und nehmen die Hemmschwelle.
Für eine Praxis in einer mittelgroßen Stadt kann ein lokaler Account mit 15.000 echten Followern mehr Beratungstermine auslösen als eine landesweite Kampagne. Die Follower wohnen im Einzugsgebiet. Sie vertrauen dem Absender.
Das Risiko liegt in der Kontrolle. Eine Anzeige formulieren Sie selbst. Einen Influencer-Beitrag formuliert jemand anderes. Spontan. Mit eigener Tonalität. Und genau dieser Beitrag ist rechtlich Ihre Werbung.
Die Rechtslage in fünf Punkten
Bevor Sie eine Kooperation anfragen, sollten diese Punkte im Team und beim Anwalt geklärt sein:
Kennzeichnungspflicht. Jeder Beitrag mit Gegenleistung ist kommerziell. Geld, kostenlose Behandlung, Rabatt oder Produkte – alles ist eine Gegenleistung. Der Beitrag muss nach § 5a Abs. 4 UWG und Medienstaatsvertrag eindeutig als Werbung gekennzeichnet sein. Ein Hashtag am Ende einer langen Caption genügt nicht.
HWG gilt auch für Dritte. Das Heilmittelwerbegesetz knüpft an die Werbung an, nicht an den Beruf. Was Sie nicht dürfen, darf der Influencer für Sie auch nicht. Keine Erfolgsgarantien. Keine Angstwerbung. Keine Vorher-Nachher-Bilder für operative plastisch-chirurgische Eingriffe ohne medizinische Notwendigkeit (§ 11 Abs. 1 Satz 3 HWG).
Erfahrungsberichte. § 11 Abs. 1 Nr. 11 HWG verbietet Werbung mit Äußerungen Dritter, wenn diese missbräuchlich, abstoßend oder irreführend sind. Ein ehrlicher, sachlicher Erfahrungsbericht kann zulässig sein. Eine inszenierte Heilsgeschichte nicht.
Verschreibungspflichtige Arzneimittel. § 10 HWG untersagt Publikumswerbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Ein Beitrag, der ein Botulinumtoxin-Präparat namentlich anpreist, ist problematisch. Die Behandlung darf beschrieben werden. Das Präparat nicht beworben.
Berufsordnung. § 27 MBO-Ä verlangt sachliche Information. Anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung ist verboten. Ärzte dürfen nicht dulden, dass Dritte berufswidrig für sie werben. Sie müssen also aktiv kontrollieren.
Hinzu kommt die Schweigepflicht: Der Influencer ist Ihr Patient. Alles, was Sie über die Behandlung veröffentlichen oder kommentieren, braucht seine ausdrückliche Einwilligung. Und Vorteile für Follower – etwa ein Rabattcode auf ärztliche Leistungen – berühren § 7 HWG und die GOÄ. Gestalten Sie sie als Mehrwert und lassen Sie sie prüfen. Die Grundlagen fasst Heilmittelwerbegesetz: Was Praxen bewerben dürfen zusammen.
Der Vertrag: Was hineingehört
Eine Kooperation ohne schriftliche Vereinbarung ist ein Haftungsrisiko ohne Gegenwert. Der Vertrag muss nicht lang sein. Aber er muss diese Punkte regeln:
- Leistung und Gegenleistung: Anzahl und Art der Beiträge, Plattformen, Zeitraum, Vergütung oder Behandlungswert.
- Kennzeichnung: verbindliche Formulierung und Platzierung. Etwa „Werbung" am Anfang jedes Beitrags und in jeder Story.
- Freigabe: Jeder Beitrag wird vor Veröffentlichung von der Praxis freigegeben. Ohne Freigabe keine Veröffentlichung.
- Verbotsliste: keine Präparatenamen, keine Erfolgsversprechen, keine Vorher-Nachher-Bilder bei operativen Eingriffen, keine Preisnachlässe ohne Freigabe, keine medizinischen Aussagen über Wirkung und Risiken jenseits des Aufklärungsbogens.
- Einwilligung: Nutzung von Bildmaterial des Influencers durch die Praxis, Dauer, Kanäle, Widerruf.
- Löschung und Korrektur: Pflicht, Beiträge auf Verlangen zu ändern oder zu entfernen – auch nach Vertragsende.
- Haftung und Vertragsstrafe bei Verstößen gegen Kennzeichnung oder Verbotsliste.
Lassen Sie die Vorlage einmal von Ihrem Anwalt erstellen. Nutzen Sie sie für jede Kooperation.
Auswahl: Reichweite ist nicht das Kriterium
Für eine Praxis zählt nicht die Followerzahl. Sondern die Überschneidung mit dem Einzugsgebiet und der Zielgruppe.
Prüfen Sie vor jeder Anfrage: Wo wohnen die Follower? Passt das Alter zu Ihrer Kernbehandlung? Wie ist der Ton des Accounts – sachlich oder reißerisch? Wie geht die Person mit Kritik um? Gab es frühere Kooperationen mit Praxen und wie wurden sie gekennzeichnet?
Ein lokaler Account mit 8.000 aktiven Followern aus Ihrer Stadt ist wertvoller als ein überregionaler mit 200.000. Und ein Account, der bereits Patient bei Ihnen ist und das freiwillig erzählt hat, ist der beste Ausgangspunkt für eine transparente Kooperation.
Briefing und Ablauf
Ein gutes Briefing schützt beide Seiten. Es enthält:
- die Kernbotschaft (was die Behandlung ist und für wen)
- die Sprachregelung (Behandlung statt Präparat, „kann" statt „wird")
- den Ablauf des Praxisbesuchs
- was gezeigt werden darf und was nicht
- den Freigabeprozess mit Ansprechpartner und Reaktionszeit
Der Ablauf selbst: Beratung und Aufklärung wie bei jedem Patienten. Mit Bedenkzeit vor der Behandlung. Keine Behandlung „live" ohne vorherige vollständige Aufklärung. Nach der Behandlung Entwurf des Beitrags. Prüfung durch die Praxis. Freigabe. Veröffentlichung. Dokumentation des Beitrags mit Datum und Screenshot.
Messen Sie den Erfolg über eine eigene Landingpage oder eine Terminanfrage mit Herkunftsfrage. Nicht über Likes.
Mach den Selbsttest: Ist Ihre Kooperation sicher?
- Liegt ein schriftlicher Vertrag mit Freigabepflicht vor?
- Ist die Kennzeichnung „Werbung" am Anfang jedes Beitrags vereinbart?
- Haben Sie eine Verbotsliste für Präparate, Erfolgsversprechen und Vorher-Nachher-Bilder?
- Liegt eine schriftliche Einwilligung zur Veröffentlichung vor?
- Wird jeder Beitrag vor Veröffentlichung von Ihnen freigegeben?
- Haben Sie den Vertrag von Ihrem Anwalt prüfen lassen?
Wenn Sie eine Frage mit „Nein" beantworten, haben Sie ein Haftungsrisiko.
Die bessere Alternative: Ihre echten Patienten
Influencer-Marketing in der Ästhetik ist ein Werkzeug für Reichweite. Kein Ersatz für Empfehlungen.
Die glaubwürdigste Werbung ist die einer zufriedenen Patientin gegenüber ihrer Freundin. Ohne Vertrag. Ohne Kennzeichnungspflicht. Weil keine Gegenleistung fließt. Ein strukturiertes Empfehlungsprogramm macht daraus einen wiederholbaren Prozess, wie Empfehlungsprogramm für Kliniken zeigt. Und was Sie auf Ihrem eigenen Kanal zeigen dürfen, beschreibt Instagram für Ästhetik-Praxen.
Was passiert, wenn Sie nichts ändern
Jeder Influencer-Beitrag ohne Vertrag ist ein Haftungsrisiko. Jeder Beitrag ohne Freigabe kann gegen HWG oder Berufsordnung verstoßen. Und jeder Monat ohne strukturiertes Empfehlungsprogramm verschenkt Reichweite, die Sie schon haben – bei Ihren eigenen Patienten.
Fazit
Eine Influencer-Kooperation kann einer Praxis lokale Reichweite bringen. Wenn sie schriftlich geregelt ist. Wenn sie eindeutig gekennzeichnet ist. Und wenn sie inhaltlich so kontrolliert ist wie jede eigene Werbung.
HWG und Berufsordnung gelten für den Beitrag des Influencers genauso wie für Ihre Website. Die Praxis trägt die Verantwortung. Lassen Sie Vertrag und Briefing von Ihrem Anwalt oder Ihrer Ärztekammer prüfen, bevor der erste Beitrag online geht.
Die nachhaltigere Reichweite entsteht bei Ihren eigenen Patienten: mit einem Empfehlungsprogramm, Punkten und Angeboten in einer App unter Ihrem Namen. In einem 15-minütigen Gespräch sehen Sie Ihre App fertig eingerichtet.