- Patienten gehen nach Übernahme, weil sie den neuen Inhaber nicht kennen – persönliche Vorstellung überträgt Vertrauen.
- Erste 30 Tage nichts ändern, ab Tag 31 neue Kontaktwege (z. B. App) einführen, ab Tag 61 inaktive Patienten ansprechen.
- Patientendaten dürfen nur mit Einwilligung oder im Zwei-Schrank-Modell übergehen – Anwalt einschalten.
- Warum Patienten nach dem Wechsel gehen
- Mach den Selbsttest: Ist Ihre Übernahme auf Kurs?
- Die Übergabephase: Vertrauen übertragen
- Datenschutz bei der Übernahme
- Die ersten 100 Tage nach dem Stichtag
- Der Neustart als Chance: Kontaktwege neu aufbauen
- Inaktive Patienten reaktivieren
- Was passiert, wenn Sie nichts ändern
- Kennzahlen für das erste Jahr
- Fazit
Bei einer Praxisübernahme ist der Patientenstamm der wertvollste Teil des Kaufpreises – und gleichzeitig der flüchtigste. Patienten vertrauen dem bisherigen Inhaber, nicht der Praxis. Wer den Übergang nicht aktiv gestaltet, verliert in den ersten zwölf Monaten viele Selbstzahler an die Konkurrenz.
Die gute Nachricht: Mit einem klaren Plan für die ersten 100 Tage halten Sie den Stamm und reaktivieren inaktive Patienten. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, wie.
Warum Patienten nach dem Wechsel gehen
Patienten gehen selten aus fachlichen Gründen. Meist sind es drei Dinge:
- Sie erfahren vom Wechsel erst, wenn sie in der Praxis stehen.
- Der neue Inhaber ist ein Fremder ohne Gesicht.
- Vertraute Abläufe ändern sich, ohne dass jemand erklärt, warum.
Bei Selbstzahler-Leistungen kommt hinzu: Der Patient hat eine Alternative. Wer 300 bis 500 Euro pro Sitzung zahlt, wechselt bei Unsicherheit zu einer Praxis, die ihm empfohlen wurde.
Die Bindung an eine Person lässt sich nicht kaufen – aber übertragen, wenn beide Seiten daran arbeiten.
Mach den Selbsttest: Ist Ihre Übernahme auf Kurs?
Beantworten Sie diese Fragen mit Ja oder Nein:
- Hat der bisherige Inhaber Sie in den letzten Monaten persönlich bei Patienten vorgestellt?
- Wissen alle Patienten spätestens vier Wochen vor dem Stichtag, dass Sie übernehmen?
- Bleibt das Team (Rezeption, MFA) nach der Übernahme gleich?
- Haben Sie mit einem Anwalt geklärt, welche Patientendaten Sie nutzen dürfen?
- Haben Sie einen Plan, wie Sie in den ersten 100 Tagen Kontakt zu jedem Patienten aufbauen?
- Wissen Sie, welche Patienten seit dem Wechsel nicht mehr da waren?
Weniger als vier Ja? Dann verlieren Sie gerade Patienten, die Sie mit wenig Aufwand halten könnten.
Die Übergabephase: Vertrauen übertragen
Die wirksamste Maßnahme liegt vor dem Stichtag. Wenn der bisherige Inhaber Sie über einige Monate persönlich vorstellt, bei Behandlungen einbezieht und im Gespräch empfiehlt, überträgt sich das Vertrauen.
Das gelingt nicht bei jeder Übernahme, aber wo es möglich ist, sollte es Priorität haben.
Konkret hat sich bewährt:
- Gemeinsame Sprechzeiten in den letzten drei bis sechs Monaten.
- Ein persönlicher Satz des bisherigen Inhabers bei jedem Besuch: „Meine Nachfolgerin übernimmt ab Januar, ich habe sie gezielt ausgewählt."
- Eine Mitteilung an alle Patienten mit Foto und kurzer Vorstellung – versendet vom bisherigen Inhaber, nicht von Ihnen.
- Die Zusage, dass das Team bleibt. Für viele Patienten ist die Rezeptionskraft der eigentliche Vertrauensanker.
Wenn eine gemeinsame Phase nicht möglich ist (Krankheit, kurzfristiger Verkauf), muss die Kommunikation nach dem Stichtag umso persönlicher sein.
Datenschutz bei der Übernahme
Patientendaten dürfen nicht einfach mit der Praxis übergehen. Die ärztliche Schweigepflicht (§ 203 StGB) und die DSGVO verlangen, dass der Patient der Weitergabe zustimmt – oder dass die Altdaten getrennt verwahrt werden, bis der Patient bei Ihnen erscheint.
In der Praxis wird das häufig als Zwei-Schrank-Modell umgesetzt.
Das hat unmittelbare Folgen: Sie können nicht einfach alle Altpatienten anschreiben oder in ein neues System übernehmen. Jede Kontaktaufnahme muss auf einer gültigen Grundlage stehen.
Lassen Sie die Übernahme von einem Anwalt begleiten. Klären Sie, welche Kontaktwege für welche Patienten zulässig sind. Grundlagen zum Umgang mit Patientendaten in Software finden Sie im Beitrag zu DSGVO und Patienten-App.
Die ersten 100 Tage nach dem Stichtag
Nach der Übergabe geht es um Sichtbarkeit, Kontinuität und einen positiven ersten Kontakt. Ein Plan für die ersten 100 Tage strukturiert das.
| Phase | Zeitraum | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Ankommen | Tag 1–30 | Jeden Patienten persönlich begrüßen, Abläufe unverändert lassen, Team im Vordergrund |
| Sichtbar werden | Tag 31–60 | Neue Kontaktwege einführen, Patienten-App mit Willkommensvorteil starten, Website und Google-Profil aktualisieren |
| Aktivieren | Tag 61–100 | Inaktive Patienten mit konkretem Anlass ansprechen, Recall für fällige Auffrischungen, erste Angebote |
In den ersten 30 Tagen sollten Sie nichts ändern, was Patienten sehen: keine neuen Preise, keine neue Einrichtung, keine neuen Abläufe. Jede Änderung wird in dieser Phase als Verlust wahrgenommen.
Nach dem ersten Monat, wenn der persönliche Kontakt zu vielen Patienten hergestellt ist, wird jede Neuerung als Verbesserung gelesen.
Der Neustart als Chance: Kontaktwege neu aufbauen
Die Übernahme ist der beste Moment, um Kontaktwege neu zu ordnen. Der bisherige Inhaber hatte vielleicht eine Karteikarte, einen Kalender und ein Telefon. Sie können mit sauberen Einwilligungen starten, weil ohnehin jeder Patient in den ersten Monaten neu erfasst wird.
Eine Patienten-App eignet sich dafür besonders: Die Anmeldung passiert am Tresen, wo der Patient ohnehin steht und die Einwilligung persönlich erklärt wird. QR-Code scannen, Handynummer bestätigen, fertig.
Der Patient entscheidet selbst, ob er Push-Nachrichten erlaubt, und kann das Konto jederzeit löschen. Damit haben Sie nach sechs Monaten einen Kontaktweg zu einem Großteil der aktiven Patienten – rechtlich sauber aufgebaut und unabhängig vom Vorgänger.
Verbinden Sie die Anmeldung mit einem Willkommensvorteil: ein Punktestart, ein Pflegeprodukt beim nächsten Besuch oder ein bevorzugter Termin. Achten Sie auf § 7 HWG und die Berufsordnung: Mehrwert statt Rabatt auf ärztliche Leistungen. Lassen Sie das Modell von Anwalt oder Ärztekammer prüfen.
Inaktive Patienten reaktivieren
Nach etwa drei Monaten wird sichtbar, wer seit dem Wechsel nicht mehr gekommen ist. Diese Gruppe ist wertvoll: Sie kennt die Praxis und braucht nur einen Anlass.
Rechenbeispiel: Eine übernommene Praxis hatte 900 aktive Selbstzahler-Patienten. Nach drei Monaten sind 300 davon noch nicht erschienen. Gelingt es, 90 davon zurückzuholen, und liegt der durchschnittliche Jahresumsatz je Patient bei 700 Euro, sind das 63.000 Euro im ersten Jahr.
Die Ansprache muss konkret sein und auf einer zulässigen Grundlage stehen:
- Patienten mit fälliger Auffrischung: Hinweis auf das Intervall, freundliche Einladung.
- Patienten mit Rest-Sitzungen einer Serie: Erinnerung an das Guthaben, Angebot eines Termins.
- Alle anderen: Persönliche Einladung zum Kennenlernen des neuen Teams, ohne Verkaufsdruck.
Ein Plan mit konkreten Schritten für 90 Tage steht im Beitrag zu inaktiven Patienten reaktivieren. Für Patienten, die sich bereits in der App angemeldet haben, übernehmen automatische Anlass-Angebote (z. B. „lange nicht da") diesen Schritt ohne manuellen Aufwand.
Was passiert, wenn Sie nichts ändern
Ohne aktive Kommunikation und ohne neue Kontaktwege verlieren Sie in den ersten zwölf Monaten einen erheblichen Teil der Selbstzahler. Diese Patienten wechseln nicht laut – sie kommen einfach nicht mehr.
Sie verpassen außerdem die Chance, die Übernahme als Neustart zu nutzen: saubere Einwilligungen, moderne Kontaktwege, ein Team, das von Anfang an weiß, wie Patientenbindung funktioniert.
Jeder Monat, den Sie warten, macht es schwerer, inaktive Patienten zurückzuholen. Nach einem Jahr ist die Bindung zur Konkurrenz oft schon da.
Kennzahlen für das erste Jahr
Drei Zahlen zeigen, ob die Übernahme gelingt:
- Haltequote: Anteil der Altpatienten, die innerhalb von zwölf Monaten mindestens einmal bei Ihnen waren.
- Wiederkehrrate: Anteil der Patienten, die ein zweites Mal kommen.
- Kontaktweg-Quote: Anteil der Patienten mit direktem Kontaktweg (App-Anmeldung oder gültige Einwilligung).
Wie Sie die Wiederkehrrate berechnen und einordnen, beschreibt der Beitrag zur Wiederkehrrate der Praxis.
Fazit
Bei einer Praxisübernahme halten Sie den Patientenstamm nicht durch Verträge, sondern durch persönliche Übergabe, unveränderte Abläufe in den ersten Wochen und neu aufgebaute Kontaktwege mit sauberen Einwilligungen.
Eine White-Label-App wie lumelle unterstützt genau diesen Neustart: Anmeldung am Tresen in einer Minute, Willkommensvorteil, automatische Erinnerungen für inaktive Patienten – alles im Branding Ihrer Praxis.
Wenn Sie sehen möchten, wie das für Ihre übernommene Praxis aussieht, vereinbaren Sie ein kurzes Gespräch. Die App steht schon fertig eingerichtet bereit.